{"id":19801,"date":"2026-02-03T10:15:58","date_gmt":"2026-02-03T10:15:58","guid":{"rendered":"https:\/\/hgw.bayern\/?p=19801"},"modified":"2026-02-03T10:15:58","modified_gmt":"2026-02-03T10:15:58","slug":"warum-haette-ich-die-nazis-gewinnen-lassen-sollen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hgw.bayern\/?p=19801","title":{"rendered":"\u201eWarum h\u00e4tte ich die Nazis gewinnen lassen sollen?\u201c"},"content":{"rendered":"<p><strong>Holocaust-\u00dcberlebender Abba Naor zu Gast am Hallertau-Gymnasium Wolnzach<\/strong><\/p>\n<p>Vier Schulstunden lang herrschte in der vollbesetzten Aula des Hallertau-Gymnasiums Wolnzach eine Atmosph\u00e4re, wie man sie nur selten erlebt: gespannte Stille, tiefes Zuh\u00f6ren, sichtbare Betroffenheit. Rund 250 Sch\u00fcler*innen der Jahrgangsstufen 11 bis 13 folgten den Worten von Abba Naor, Holocaust-\u00dcberlebender und Zeitzeuge, der mit fast 98 Jahren trotz widriger Witterungsverh\u00e4ltnisse den Weg an unsere Schule auf sich genommen hatte.<\/p>\n<p>Dass dieses Gespr\u00e4ch kein gew\u00f6hnlicher Vortrag war, zeigte sich schnell: Als Abba Naor die Aula betrat, verstummten die Gespr\u00e4che der Sch\u00fcler*innen schlagartig \u2013 ein stilles Zeichen des Respekts vor einem Mann, der Unmenschliches erleiden musste, dessen Lebenswille von den Nationalsozialisten jedoch nicht gebrochen werden konnte.<\/p>\n<p>In einem ersten Teil berichtete Abba Naor von seiner Verfolgung w\u00e4hrend der NS-Diktatur. Unterst\u00fctzt von historischen Fotografien schilderte er Entrechtung, Gewalt und den Verlust von Familie und Heimat.<\/p>\n<p>Viele Sch\u00fcler*innen beschrieben sp\u00e4ter, wie sehr sie dieser Bericht ber\u00fchrt hat:<\/p>\n<p><em>\u201eMan bekommt einen ganz anderen Eindruck von dieser schlimmen Zeit, wenn sie aus der Sicht eines \u00dcberlebenden erz\u00e4hlt wird. Diesen Tag werde ich mein Leben lang nicht vergessen.\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>\u201eEs war unglaublich eindrucksvoll und ber\u00fchrend, die Geschichte von Herrn Naor aus erster Hand zu h\u00f6ren. Eine solche Gelegenheit wird sich meiner Generation nicht mehr lange bieten, und ich bin sehr dankbar, dieses Gespr\u00e4ch mit einem \u00dcberlebenden miterlebt haben zu d\u00fcrfen.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Im Anschluss an den Vortrag hatten die Sch\u00fcler*innen die M\u00f6glichkeit, Fragen zu stellen. In dieser Fragerunde suchte Abba Naor bewusst den direkten Kontakt: Er verlie\u00df seinen Sitzplatz, ging durch die Reihen und trat mit den Jugendlichen ins Gespr\u00e4ch \u2013 wertsch\u00e4tzend und humorvoll. Viele erlebten diesen Austausch als besonders intensiv und pers\u00f6nlich. Trotz der Schwere des Themas beschrieben die Sch\u00fcler*innen Abba Naor nicht als verbittert, sondern als lebenszugewandt, ruhig und ermutigend. Besonders sein Schlussappell blieb vielen im Ged\u00e4chtnis: das eigene Leben wertzusch\u00e4tzen, etwas daraus zu machen und Verantwortung f\u00fcr die Gesellschaft zu \u00fcbernehmen.<\/p>\n<p>Mehrere Sch\u00fcler*innen stellten dabei einen direkten Bezug zur Gegenwart her. Sie beschrieben den Vortrag nicht nur als R\u00fcckblick auf die Vergangenheit, sondern als eindringliche Mahnung f\u00fcr die heutige Zeit: <em>&#8222;\u201aNie wieder\u2018 bedeutet aktives Handeln. Demokratie ist keine Selbstverst\u00e4ndlichkeit.\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><em>\u201eEs war eine unfassbar wichtige Erfahrung f\u00fcr uns Sch\u00fcler, die Vergehen der Nationalsozialisten von einer betroffenen Person erz\u00e4hlt zu bekommen. Gerade f\u00fcr unsere Generation ist es enorm wichtig, ein Bewusstsein zu bekommen, wie wertvoll unsere Demokratie ist, um so auch der aktuellen politische Lage und der immer gr\u00f6\u00dfer werdenden Zustimmung im rechtsextremen Bereich entgegenwirken zu k\u00f6nnen.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Trotz allem Leid, von dem Abba Naor berichtete, nahmen viele Jugendliche vor allem seine Lebenshaltung als besonders eindrucksvoll wahr: <em>\u201eEs war ein Privileg, einem Menschen zu begegnen, dem selbst die Nazis die Freude am Leben nicht nehmen konnten.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Dass ein fast 98-j\u00e4hriger Mann vier Schulstunden lang vor hunderten Jugendlichen spricht, ihnen zuh\u00f6rt und sie ernst nimmt, hinterlie\u00df einen nachhaltigen Eindruck \u2013 fachlich, emotional und menschlich. F\u00fcr viele Sch\u00fcler*innen war der Vormittag mit Abba Naor weit mehr als eine Geschichtsstunde: Er war eine eindringliche Begegnung mit Vergangenheit und Gegenwart und ein eindringlicher Appell an Verantwortung, Menschlichkeit und Demokratie.<\/p>\n<p><em>\u201eDiesen Tag und dieses Gespr\u00e4ch werde ich mein Leben lang nicht vergessen. Auch den Appell, dass wir daf\u00fcr verantwortlich sind, dass so eine Katastrophe nie mehr passiert, den, dass das Leben so sch\u00f6n ist, dass man es immer genie\u00dfen muss, und den, dass wir dankbar sein sollten f\u00fcr die Freiheit, den Frieden und auch unsere schulische Bildung sollten wir uns ab sofort \u00f6fter ins Ged\u00e4chtnis rufen.\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><em>\u201eDen gestrigen Tag werde ich niemals vergessen. Er hat mir noch deutlicher vor Augen gef\u00fchrt, dass [\u2026] wir aktiv unsere Demokratie besch\u00fctzen und die Erinnerungskultur aufrechterhalten m\u00fcssen. Die Schilderungen von Abba Naor \u00fcber die menschenverachtenden Verbrechen der Nationalsozialisten waren zutiefst ersch\u00fctternd und haben mich sehr zum Nachdenken gebracht.\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><em>Anmerkung: Die im Text zitierten Aussagen stammen aus freiwilligem, anonymisiertem Sch\u00fclerfeedback, das im Anschluss an die Veranstaltung eingeholt wurde.<\/em><\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><strong>Fotos:<\/strong> Martin Rank<br \/>\n<strong>Text:<\/strong> Martina Brenner<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/hgw.bayern\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Abba-Naor_IIsm-rotated.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-large wp-image-19803\" src=\"https:\/\/hgw.bayern\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Abba-Naor_IIsm-768x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"660\" height=\"880\" srcset=\"https:\/\/hgw.bayern\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Abba-Naor_IIsm-768x1024.jpg 768w, https:\/\/hgw.bayern\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Abba-Naor_IIsm-225x300.jpg 225w, https:\/\/hgw.bayern\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Abba-Naor_IIsm-1152x1536.jpg 1152w, https:\/\/hgw.bayern\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Abba-Naor_IIsm-1536x2048.jpg 1536w, https:\/\/hgw.bayern\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Abba-Naor_IIsm-rotated.jpg 1664w\" sizes=\"auto, (max-width: 660px) 100vw, 660px\" \/><\/a> <a href=\"https:\/\/hgw.bayern\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Abba-Naor_Ism.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-large wp-image-19804\" src=\"https:\/\/hgw.bayern\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Abba-Naor_Ism-1024x768.jpg\" alt=\"\" width=\"660\" height=\"495\" srcset=\"https:\/\/hgw.bayern\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Abba-Naor_Ism-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/hgw.bayern\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Abba-Naor_Ism-300x225.jpg 300w, https:\/\/hgw.bayern\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Abba-Naor_Ism-768x576.jpg 768w, https:\/\/hgw.bayern\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Abba-Naor_Ism-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/hgw.bayern\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Abba-Naor_Ism-2048x1536.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 660px) 100vw, 660px\" \/><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Holocaust-\u00dcberlebender Abba Naor zu Gast am Hallertau-Gymnasium Wolnzach Vier Schulstunden lang herrschte in der vollbesetzten Aula des Hallertau-Gymnasiums Wolnzach eine Atmosph\u00e4re, wie man sie nur &hellip;<\/p>\n","protected":false},"author":5,"featured_media":19802,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[10,68,3,50],"tags":[],"class_list":["post-19801","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-geschichte","category-schuljahr2025-26","category-unterricht","category-vortraege-und-exkursionen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/hgw.bayern\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/19801","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/hgw.bayern\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/hgw.bayern\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hgw.bayern\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/5"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hgw.bayern\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=19801"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/hgw.bayern\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/19801\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":19805,"href":"https:\/\/hgw.bayern\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/19801\/revisions\/19805"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hgw.bayern\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/19802"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/hgw.bayern\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=19801"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/hgw.bayern\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=19801"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/hgw.bayern\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=19801"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}