Holocaust-Überlebender Abba Naor zu Gast am Hallertau-Gymnasium Wolnzach
Vier Schulstunden lang herrschte in der vollbesetzten Aula des Hallertau-Gymnasiums Wolnzach eine Atmosphäre, wie man sie nur selten erlebt: gespannte Stille, tiefes Zuhören, sichtbare Betroffenheit. Rund 250 Schüler*innen der Jahrgangsstufen 11 bis 13 folgten den Worten von Abba Naor, Holocaust-Überlebender und Zeitzeuge, der mit fast 98 Jahren trotz widriger Witterungsverhältnisse den Weg an unsere Schule auf sich genommen hatte.
Dass dieses Gespräch kein gewöhnlicher Vortrag war, zeigte sich schnell: Als Abba Naor die Aula betrat, verstummten die Gespräche der Schüler*innen schlagartig – ein stilles Zeichen des Respekts vor einem Mann, der Unmenschliches erleiden musste, dessen Lebenswille von den Nationalsozialisten jedoch nicht gebrochen werden konnte.
In einem ersten Teil berichtete Abba Naor von seiner Verfolgung während der NS-Diktatur. Unterstützt von historischen Fotografien schilderte er Entrechtung, Gewalt und den Verlust von Familie und Heimat.
Viele Schüler*innen beschrieben später, wie sehr sie dieser Bericht berührt hat:
„Man bekommt einen ganz anderen Eindruck von dieser schlimmen Zeit, wenn sie aus der Sicht eines Überlebenden erzählt wird. Diesen Tag werde ich mein Leben lang nicht vergessen.“
„Es war unglaublich eindrucksvoll und berührend, die Geschichte von Herrn Naor aus erster Hand zu hören. Eine solche Gelegenheit wird sich meiner Generation nicht mehr lange bieten, und ich bin sehr dankbar, dieses Gespräch mit einem Überlebenden miterlebt haben zu dürfen.“
Im Anschluss an den Vortrag hatten die Schüler*innen die Möglichkeit, Fragen zu stellen. In dieser Fragerunde suchte Abba Naor bewusst den direkten Kontakt: Er verließ seinen Sitzplatz, ging durch die Reihen und trat mit den Jugendlichen ins Gespräch – wertschätzend und humorvoll. Viele erlebten diesen Austausch als besonders intensiv und persönlich. Trotz der Schwere des Themas beschrieben die Schüler*innen Abba Naor nicht als verbittert, sondern als lebenszugewandt, ruhig und ermutigend. Besonders sein Schlussappell blieb vielen im Gedächtnis: das eigene Leben wertzuschätzen, etwas daraus zu machen und Verantwortung für die Gesellschaft zu übernehmen.
Mehrere Schüler*innen stellten dabei einen direkten Bezug zur Gegenwart her. Sie beschrieben den Vortrag nicht nur als Rückblick auf die Vergangenheit, sondern als eindringliche Mahnung für die heutige Zeit: „‚Nie wieder‘ bedeutet aktives Handeln. Demokratie ist keine Selbstverständlichkeit.“
„Es war eine unfassbar wichtige Erfahrung für uns Schüler, die Vergehen der Nationalsozialisten von einer betroffenen Person erzählt zu bekommen. Gerade für unsere Generation ist es enorm wichtig, ein Bewusstsein zu bekommen, wie wertvoll unsere Demokratie ist, um so auch der aktuellen politische Lage und der immer größer werdenden Zustimmung im rechtsextremen Bereich entgegenwirken zu können.“
Trotz allem Leid, von dem Abba Naor berichtete, nahmen viele Jugendliche vor allem seine Lebenshaltung als besonders eindrucksvoll wahr: „Es war ein Privileg, einem Menschen zu begegnen, dem selbst die Nazis die Freude am Leben nicht nehmen konnten.“
Dass ein fast 98-jähriger Mann vier Schulstunden lang vor hunderten Jugendlichen spricht, ihnen zuhört und sie ernst nimmt, hinterließ einen nachhaltigen Eindruck – fachlich, emotional und menschlich. Für viele Schüler*innen war der Vormittag mit Abba Naor weit mehr als eine Geschichtsstunde: Er war eine eindringliche Begegnung mit Vergangenheit und Gegenwart und ein eindringlicher Appell an Verantwortung, Menschlichkeit und Demokratie.
„Diesen Tag und dieses Gespräch werde ich mein Leben lang nicht vergessen. Auch den Appell, dass wir dafür verantwortlich sind, dass so eine Katastrophe nie mehr passiert, den, dass das Leben so schön ist, dass man es immer genießen muss, und den, dass wir dankbar sein sollten für die Freiheit, den Frieden und auch unsere schulische Bildung sollten wir uns ab sofort öfter ins Gedächtnis rufen.“
„Den gestrigen Tag werde ich niemals vergessen. Er hat mir noch deutlicher vor Augen geführt, dass […] wir aktiv unsere Demokratie beschützen und die Erinnerungskultur aufrechterhalten müssen. Die Schilderungen von Abba Naor über die menschenverachtenden Verbrechen der Nationalsozialisten waren zutiefst erschütternd und haben mich sehr zum Nachdenken gebracht.“
Anmerkung: Die im Text zitierten Aussagen stammen aus freiwilligem, anonymisiertem Schülerfeedback, das im Anschluss an die Veranstaltung eingeholt wurde.
Fotos: Martin Rank
Text: Martina Brenner


